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Foto: Barbara Eckholdt / pixelio.de


Der Physiotherapie stehen eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung:

- PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Faszilitation),
- Manuelle Therapie (Manipulative Techniken zur Gelenksmobilisation),
- Weichteiltechniken (Heilmassage, Bindegewebstechniken, osteopatische Techniken zur Faszienmobilisation),
- Heilgymnastik (passive, assistive, aktive oder resistive Techniken)
- Kinesio- und Dolo-Taping
- medizinische Massage
- manuelle Lymphdrainage / Ödemtherapie
- Narbenbehandlung
- Heißluft und Warmpackungen
- Atemtherapie

 

Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)

Das ist eine dreidimensionale physiotherapeutische Behandlungsmethode, welche bei Patienten aller medizinischen Fachbereiche Anwendung findet, bei denen das Bewegungsverhalten durch eine Erkrankung, Verletzung, Operation oder Degeneration gestört ist.

Die PNF nutzt sowohl die Sensoren, die Reize verarbeiten, die von außen auf den Körper treffen, wie auch Telerezeptoren (Augen und Ohren) und vor allem Propriozeptoren, um natürliche, physiologische Bewegungen anzubahnen.
Propriozeptoren sind Muskel-, Gelenk- und Sehnenrezeptoren, die Informationen über die Haltung und Bewegung des Körpers an das Zentrale Nervensystem weiterleiten.

Ziel der PNF-Physiotherapie ist es, durch verstärkte Stimulation der Sensoren das neuromuskuläre Zusammenspiel, also das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln, zu fördern und damit physiologische Bewegungsmuster zu erleichtern (Fazilitation), die im Zentralnervensystem abgespeichert sind.

In der praktischen Anwendung führt die Therapeutin mit dem Patienten ein dreidimensionales, physiologisches Bewegungsmuster an einem Körperabschnitt, der weitestgehend gesund ist, gegen einen angepassten Widerstand aus. Dieses gesunde Bewegungsmuster wird vom Zentralnervensystem als ein Teil eines komplexen Bewegungsmusters (Gesamtbewegungsmuster), wie zum Beispiel einer Phase des Gangablaufs erkannt.
Daraufhin sendet das Zentralnervensystem die entsprechenden Informationen für die Muskelaktivität an alle anderen Körperabschnitte.

Dieses Überfließen der Aktivität in andere Körperabschnitte wird Irradiation genannt. Man spricht auch von einer gezielten, gangtypischen Irradiation, da die Gesamtbewegungsmuster des Gehens nach der sensomotorischen Entwicklung als Kind im Zentralnervensystem abgespeichert werden.

Die Behandlungsziele einer PNF-Therapie sind,
die Muskelspannung normalisieren, also beispilesweise eine vorhandene Spastizität herabzusetzen oder schwache bzw. gelähmte Muskeln zu aktivieren, also zu fazilitieren.
Außerdem fördert PNF die motorischen Kontrolle und die Mobilität. Weitere Ziele der Behandlung sind die Verbesserung der dynamischen Stabilität, der Ausdauer und der Kraft.
Dadurch wird die Geschicklichkeit gefördert und die Koordination verbessert. Das gesunde Bewegungsverhalten wird wiederhergestellt.


Manuelle Therapie

Manuelle Therapie ist eine geschützte physiotherapeutische Behandlungsform, die mit einer Heilmittelverordnung, also einem Rezept, des behandelnden Arzt nach vorheriger Diagnosestellung verordnet werden kann. Die Menge der verordneten Therapie richtet sich nach der Diagnose und dem aktuellen, bundeseinheitlichen Heilmittelkatalog der die Behandlungsmenge festsetzt.

Die Ausbildung zum Manualtherapeuten umfasst eine mindestens 260 stündige Fortbildung, die in den meisten zugelassenen Fortbildungseinrichtungen weit über diese Mindeststundenzahl hinausgeht. In der Regel umfasst sie 400 Stunden mit einer zusätzlichen Abschlussprüfung. Diese Zusatzqualifikation berechtigt die Physiotherapeutin zur Abrechnung der Heilmittelposition Manuelle Therapie.

Im Jahr 2004 wurde in Cape Town, Südafrika auf einem Kongress der IFOMT folgende neue Definition erarbeitet.

Sinngemäß aus dem englischen übersetzt:
Orthopädische manuelle Therapie ist ein spezielles Gebiet innerhalb der Physiotherapie für das Management von neuro- muskulär- skeletale Bedingungen, basierend auf einem klinischen Denken und einer klinischen Entscheidungsfindung, wobei spezifische Behandlungsansätze, manuelle Techniken und therapeutische Übungen eingesetzt werden.

Dem zugrunde liegt das biopsychosoziale Denkmodell ( Hengeveld 1998,1999 und Jones 2002).
Eine Bewegungsdysfunktion wird ganzheitlich aus muskulärer, neuraler, artikulärer sowie psychosozialer Sicht betrachtet unter Berücksichtigung evtueller Differenzialbefunde.

Weichteiltechniken

Unter diesem Begiff werden verschiedene manuelle Methoden vereinigt, deren Ziel es ist, Muskeln, Sehnen, Bindegewebe und Faszien zu behandeln.

Faszien sind die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes, die den ganzen Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk durchdringen. Hierzu gehören alle kollagenen faserigen Bindegewebe, insbesondere Gelenk- und Organkapseln, Sehnenplatten, Muskelsepten, Bänder, Sehnen, Retinacula (sogenannte Fesseln beispielsweise an den Füßen) sowie die eigentlichen Faszien in der Gestalt von flächigen festen Bindegewebsschichten wie die Plantarfaszie an der Fußsohle.

Dieses körperweite Netzwerk erhält die strukturelle Integrität. Das heißt, es sorgt dafür, dass die Teile des Körpers zu einem Ganzen zusammengefügt sind und bleiben. Es unterstützt den Körper, schützt ihn und wirkt wie ein elastischer Stoßdämpfer bei Bewegungen.
Faszien spielen eine wesentliche Rolle bei hämodynamischen und biochemischen Prozessen und bilden eine Matrix für die interzelluläre Kommunikation. Sie haben eine entscheidende Funktion bei der Abwehr des Körpers gegen Krankheitserreger und Infektionen. Nach Verletzungen bilden Faszien die Grundlage für den Heilungsprozess des Gewebes.

Durch Massagen, Dehnungen oder die Anwendung von Impulsen unterschiedlichster Stärke werden erkrankte Strukturen des Bewegungsapparates, der lymphatischen Organe oder des Nervensystems wieder in ihren normalen Zustand versetzt.


Krankengymnastik

Das ist ein Überbegriff für physiotherapeutische Bewegungsübungen. Diese können passiv, assistiv, aktiv oder resistiv durchgeführt werden. Krankengymnastik wird klassischer Weise durch eine Physiotherapeutin ausgeführt und/oder angeleitet. Der Begriff Krankengymnastik wird in der Physiotherapie auch synonym mit den Begriffen Kinesitherapie oder Bewegungstherapie verwendet.

Spezielle (passive, assistive, aktive oder resistive) Übungen und/oder manuelle, vom Therapeuten durchgeführte Maßnahmen, dienen der körperlich-strukturellen Mobilisierung, einer Verbesserung der Körperhaltung, einer Regulierung (z.B. Kräftigung, Dehnung, Koordination) der Muskulatur oder Nerven und steigern das Körperbewusstsein bei dem Patienten.

Die Krankengymnastik dient beispielsweise im orthopädischen Umfeld der Vorbeugung und Beseitigung von Schäden des Haltungs- und Bewegungsapparates.
In den Bereichen der Inneren Medizin fördert sie weitreichend die Funktionstüchtigkeit des Kreislaufs, beispielsweise durch Kreislauf- und Lungenfunktionstraining (Atemtherapie).


Kinesio-Taping

Das Tapen oder auch Taping ist eine Therapiemethode von schmerzhaften Erkrankungen, insbesondere des Muskel-, Sehnen- oder Skelettapparates mit Hilfe von extra für diese Therapieform entwickelten elastischen Klebebändern.

Die Behandlung erfolgt durch das Aufbringen von etwa fünf Zentimeter breiten, elastischen Klebebändern auf Baumwollbasis direkt auf die Haut. Dort verbleiben die Klebestreifen zwischen einigen Tagen und bis zu zwei Wochen. Die Tapes werden in zahlreichen Farben hergestellt, wodurch sie nach der Farbenlehre der Kinesiologie angewendet werden können.

Die Wirkung beruht im Wesentlichen auf zwei Faktoren. Zum einen auf der direkten Stimulation der Hautrezeptoren und zum anderen auf einer wellenförmigen Gewebeanhebung unter dem Band. Dadurch würde unter dem Tape die Blut- und Lymphzirkulation erhöht.

 

Um den gewünschten Effekt zu erzielen, ist es wichtig, dass das Tape exakt passend zum Verlauf der zu unterstützenden Muskeln und Sehnen geklebt wird. Dies sollte von einem ausgebildeten Fachmann vorgenommen werden. Zur Behandlung konkreter Beschwerden ist jedoch stets ein medizinischer Fachmann nötig.

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten im Gegensatz zu den meisten Privatkassen diese Leistung nicht.


 

Medizinische Massage

Massage hilft bei Verspannungen, Verhärtungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates wie die Wirbelsäulen-Syndrome oder auch posttraumatische Veränderungen.
Durch die Reflexbögen können sich Erkrankungen der inneren Organe an der Haut oder den Muskeln zeigen. Ein weiteres Einsatzgebiet der Massage ist die Fachrichtung der Neurologie. Hier lassen sich besonders Paresen, Spastiken, Neuralgien und Sensibilitätsstörungen behandeln.
Hinzu kommen die auf Stress zurückzuführenden psychosomatischen Krankheitsbilder, die sich hauptsächlich auf das Herz und den Blutkreislauf beziehen.

Die Fern- und Allgemeinwirkung der medizinischen Massage ist vielfältig.
Im Bereich der Mikrozirkulation kommt es zu einer verbesserten Blutzirkulation im Kreislauf, besonders im Bereich der unteren Extremitäten.
Die Leistung des Muskels zwischen der Herzinnen- und Herzaußenhaut bei zufriedenstellender Leistung des Herzens wird gesteigert durch Entleerung der Blutdepots. Das bedeutet eine Vermehrung des Schlag- und Minutenvolumens des Herzens bei einer niedrigfrequenten Tendenz von unter 60 Schlägen pro Minute.

Eine chemische Wirkung wird durch Freisetzung von denaturiertem, artfremdem Eiweiß aus gelotischen, also geleeartigen Bezirken im Sinne einer allgemeinen Umstimmung erzielt. Auch ein reflektorischer, segmentaler Effekt ist durch Einwirkung auf Dermatome und/oder Myotome über die Seitenhornschaltung und die Intermediär-Zonen zu inneren Organen möglich.

Auch eine endokrine Wirkung durch Einwirkung auf die Hypophyse und andere endokrine Drüsen ist möglich. Massage wirkt vagoton und verbessert so Blutdruck, Puls, Atmung und Schlaf. Im psychischen Bereich stellt sich meist eine Entspannung ein.


Lymphdrainage

Sie ist die geeignete Therapie zur Behandlung lymphostatischer Ödeme, die sich durch ungenügende Transportkapazität der Lymphgefäße bei normaler lymphpflichtiger Last (auch Niedrigvolumeninsuffizienz) kennzeichnet. Darunter fallen angeborene (primäre) sowie sekundäre Lymphödeme.

Weitere Wirkungen neben der entödematisierenden sind die sympathikolytische (Patienten werden ruhig, Anregung des Magen-Darm-Traktes), die schmerzlindernde (Mechanismus der Gate-Control-Theory) und die tonussenkende Wirkung auf die Skelettmuskulatur.
Die Druckrichtung ergibt sich aus den von der Manuellen Lymphdrainage erreichbaren Lymphgefäßen und muss immer in Richtung Extremitätenwurzel (Arm, Bein) bzw. allgemein zum Terminus (Endstation des Lymphgefäßsystems in der Vereinigung der Vena subclavia und der Vena jugularis interna im Bereich des Schlüsselbeines) zielen. Dadurch wird die Lymphe zu den zentralen großen Lymphstämmen geleitet.
Außerdem kann der Therapeut eiweißreiche Ödemflüssigkeit durch das oberflächliche Lymphgefäßsystem, das den Körper wie ein Netz überzieht, über die sogenannten Wasserscheiden von einem gestauten Körperareal in ein gesundes Areal verschieben.
Die manuelle Lymphdrainage bewirkt dabei keine Mehrdurchblutung wie in der klassischen Massage.


Atemtherapie

Die Atemtherapie aufgrund eines ärztlichen Rezeptes befasst sich mit den Krankheiten und Funktionsstörungen von Lunge und Stimmapparat. Hierbei wird sowohl vorbeugend als auch nachbehandelnd gearbeitet. Die Atemtherapie hat als hauptsächliche Ziele:

- Pneumonieprophylaxe
- Sekretlösung und -transport
- Stabilisierung/Aufbau eines stabilen Bronchialsystems, insbesondere bei obstruktiven    Erkrankungen (Chronische Bronchitis, Asthma usw.)


Auch das Atemtraining ist Teil der Atemtherapie. Man versteht darunter verschiedene Übungen zur Verbesserung der Lungenkapazität. Hierzu werden vor allem die Brustmuskulatur gestärkt und Techniken zur vermehrten Bauchatmung geübt.

Eine effektive Atemtherapie soll zum Abbau atemhemmender Widerstände, Abbau von Fehlatembewegungsformen, zur Sekretlösung, zur Ventilationssteigerung, zur Kräftigung der Atemmuskulatur und zu einer allgemeinen Leistungssteigerung beitragen.